Offenbarung und Inspiration

Bild oben: 2.Mose 4,15-16
Geist der Weissagung in der Bibel (158 KB)

Wir kennen und erkennen Gott Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist nur durch die Offenbarung. Hätte Gott sich nicht offenbart, dann wüssten wir nicht, wie er wirklich ist. Gott, der die Sprache gegeben hat, benutzt sie, um sich mitzuteilen. Die Niederschrift ist das Werk des Propheten, der, geleitet vom Heiligen Geist, Gottes Offenbarung aufgeschrieben hat. Das Endprodukt ist Wort Gottes, denn Gott, der Herr selbst, hat sich offenbart.

Göttliche Offenbarung ist ein Ereignis: gegenüber einer bestimmten Person – Mann oder Frau – auf eine übernatürliche Art – Traum, Vision, Stimme – an einem festgelegten Zeitpunkt und Ort.

Nachdem sich Gott dem Propheten offenbart hat, begleitet er ihn und überwacht die Übermittlung der Botschaft, sei es mündlich oder schriftlich, gesungen oder dargestellt. Diesen Prozess nennt man Inspiration. Gott sorgt dafür, dass bei der Weitergabe das Endprodukt dem entspricht, was Er den Menschen sagen möchte (vgl. Jeremia 1,11.12; 2.Samuel 7). Somit ist die Botschaft wahrhaftig und zuverlässig. Gott ist der Absender.

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1.Mose 1,27-30: Nach der Erschaffung der Menschen verkehrte Gott direkt mit seinen Geschöpfen im Garten Eden. Die Menschen konnten dem Herrn von Angesicht zu Angesicht begegnen.

1.Mose 3,22-24: Durch den Sündenfall wurde die direkte Verbindung zwischen Gott und Mensch unterbrochen. Der Herr, die Engel und die gesamte himmlische Welt waren nun für den Menschen unsichtbar.

Aber Gott hat immer wieder den Kontakt zu seinen Geschöpfen gesucht. Die Bibel berichtet uns wiederholt von verschiedenen Offenbarungen Gottes, auch Theophanien (Gotteserscheinungen) genannt:

  • Propheten: 1.Mose 20,7; Jeremia 7,25; Amos 3,7; Römer 1,2; Hebräer 1,1.2
  • Engel: 1.Mose 16,7; 19,5; Richter 6,11.12; 13,13; Daniel 8,15-16
  • Eine hörbare Stimme: 2.Mose 20,1.18.19; 33,11; 5.Mose 4,12; Matthäus 3,17; 17,5
  • Die Natur: Hiob 12,9; Psalm 19,2; Jesaja 40,26; Römer 1.20
  • Lose »Urim und Thummim« (»Licht und Recht«): 2.Mose 28,30; 1.Samuel 28,6; Esra 2,63 (Nehemia 7,65)
  • Heiliger Geist: 2.Samuel 23,2; Lukas 12,12; Johannes 14,26; Apostelgeschichte 1,16; 1.Timotheus 4,1
  • Gottes Sohn, Jesus Christus: Johannes 1,18; 14,9; Hebräer 1,1.2

Die Bibel ist durch Propheten entstanden

4.Mose 12,6: Gott offenbarte sich den Menschen durch Träume oder Visionen. Mit dieser Offenbarung berief Gott den Menschen zum Propheten (gr. pro-phetes = Für-Sprecher bzw. »Sprachrohr« Gottes).

2.Petrus 1,19-21: Propheten waren Menschen »von Gott her« und redeten »getrieben vom Heiligen Geist«. Weissagung wurde nicht durch menschlichen Willen hervorgebracht.

2.Timotheus 3,16.17: Die ganze Bibel bzw. »alle Schrift« ist »von Gott eingegeben« (gr. theopneustos = von Gottes Geist eingehaucht).

2.Mose 4,11-16; 7,1.2: Offenbarung und Inspiration wird anhand dieses Beispiels veranschaulicht: Mose tritt an Gottes Stelle und sein Bruder Aaron wird zum Propheten. Gott spricht zu Mose (wie zu einem Engel), der dann die Botschaft an Aaron, seinen Propheten, weitergibt. Aaron soll die Botschaft dem Pharao mitteilen. In den nachfolgenden Gesprächen heißt es allerdings, dass Mose sprach, obwohl nach dieser Anweisung eigentlich Aaron gesprochen hatte.

Jeremia 36: Ein weiteres Beispiel, um Offenbarung und Inspiration aus biblischer Sicht zu erklären. Gott übermittelte seine Botschaft dem Propheten Jeremia, der sie seinem Schreiber Baruch diktierte. Der König verbrannte jedoch die Schriftrolle. Danach ließ Jeremia erneut alles aufschreiben, am Ende wurden aber noch Worte hinzugefügt.

Demnach hat Gott dem Propheten nicht die Buchstaben eingegeben, als wäre die Bibel ein Diktat von Gott (»Verbalinspiration«). Bei einem Diktat wäre die gesamte Bibel in einem einheitlichen Stil geschrieben worden und eine Bearbeitung, wie sie Jeremia vorgenommen hat, wäre unzulässig. Da das NT nur in griechischer Sprache vorliegt, wäre dies nicht vertrauenswürdig, da es sich hier um eine Übersetzung der Worte Jesu handelt, denn dieser hat wahrscheinlich eher Aramäisch oder Hebräisch mit den Juden gesprochen. Vielmehr ist der Prophet (Schreiber) inspiriert und Gott wacht über seine Botschaft (»Ganzinspiration« oder »Gedankeninspiration«). Jeder Schreiber hat so seinen persönlichen Stil verwendet.

ABER: Menschenwort und Gottes Wort bilden eine Einheit. Beide sind untrennbar miteinander verbunden, so wie die göttliche und die menschliche Natur Jesu. Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht trennen!

Die vielfältigen Aufgaben eines Propheten

Propheten sagen nicht nur die Zukunft voraus. Hauptsächlich geben sie eine Botschaft von Gott weiter, d.h. sie sind Fürsprecher für bzw. gegenüber Gott (gr. pro-phetes = für jmd. sprechen). Der Prophet Mose brachte z.B. dem Volk Israel die Worte Gottes und trat gleichzeitig für das Volk als Fürsprecher ein, als es schwer gesündigt hatte (vgl. 2.Mose 32,7-14.30-35). Durch den Propheten offenbart sich Gott und verkündigt seinen Willen – der dem Menschen immer zum guten Nutzen und niemals zum Schaden ist.

Ein Prophet war ein Führer (Leiter), Prediger, Lehrer sowie Berater an der Seite eines Königs. Seine Worte sollten das Volk zur Treue gegenüber Gott anspornen, zur Abwendung von Sünde und Götzendienst (falscher Anbetung). Gegen Missstände protestierte er. Oft gab er einen Ausblick auf die Ankunft des Messias. Manchmal wirkte ein Prophet auch Wunder (vgl. Mose, Elia, Elisa), aber das war kein Erkennungszeichen eines echten Propheten Gottes.

Was dachte Jesus über die Schriften?

Zurzeit von Jesus Christus gab es nur die Schriften, die wir heute als das Alte Testament kennen.

Matthäus 4,1-11: Als Jesus – vom Geist in die Wüste geführt – von Satan versucht wurde, antwortete er mit Zitaten aus dem Alten Testament (hauptsächlich aus 5. Mose). In Vers 4 weist er darauf hin, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, »sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht!«. Jesus lebte dies selbst aus.

Matthäus 5,17-18: In der Bergpredigt weist Jesus seine Nachfolger ausdrücklich darauf hin, dass er nicht gekommen ist, »um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen … sondern um zu erfüllen!« Solange Himmel und Erde bestehen, »wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.«

Matthäus 19,4.5: Jesus verweist auf die Schrift und bestätigt, dass Gott am Anfang Mann und Frau erschaffen hat. Für Jesus hat die Menschheit mit der Schöpfung begonnen. Was am Anfang der Bibel steht, ist Wahrheit und historisch zuverlässig.

Lukas 16,29-31: Am Ende dieses Gleichnisses lässt Jesus Abraham sagen: »Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören! … Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer aus den Toten auferstände!« Weil Wunder keine Garantie für einen (großen) Glauben sind, verweist Jesus seine Hörer immer auf das Wort, dem wir vertrauen sollenn. Jesus selber ist das Wort (Joh 1,1-5.14)

Lukas 24,25-27: Nach seiner Auferstehung öffnete Jesus den Jüngern von Emmaus die Schriften, »angefangen bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.«

Thomas Eißner

Literaturempfehlung: Alberto R. Timm/Dwain N. Esmond: Die Gabe der Prophetie: im Wort Gottes und in der Geschichte, Seminar Schloss Bogenhofen, 2016

Thomas Eißner

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