Ellen White über die Dreieinigkeit

Bild oben: Ausschnitte aus maschinengeschriebenen Manuskriptseiten Ellen Whites mit handschriftlichen Bermerkungen von ihr über die Trinität. Links und Mitte: Manuskript 21, 1906, Seite 4; Rechts: Manuskript 20, 1906, Seite 9

Das Thema Dreieinigkeit löst bei manchen Adventisten Emotionen aus. Warum? Weil es auch in unserer Kirche weltweit Gegner der Trinität gibt.

Wie steht Ellen White zur Lehre der Dreieinigkeit? Manche Gegner der Trinität behaupten, dass die positiven und klaren Aussagen von Ellen White zum Thema nicht ursprünglich von ihr stammen, sondern spätere Hinzufügungen darstellen sollen. Ich möchte also einige ihrer Aussagen zur Dreieinigkeit zitieren und auch begründen, warum sie tatsächlich aus ihrer Feder stammen und durchaus ihrer Intention entsprechen, und nicht – wie gelegentlich unterstellt – ihr später unterschoben wurden.

Dass der „Vater“ vollumfänglich Gott ist, wird von niemandem bestritten. Beim „Sohn“ und beim „Heiligen Geist“ besteht in manchen Kreisen Unsicherheit. Sehen wir uns also einige Aussagen von Ellen White dazu an. Meine Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern erwähnt nur besonders markante Zitate.

Jesus Christus, der Sohn, ist Gott

Ellen White schrieb 1898: „In Christus ist ursprüngliches, nicht verliehenes, sondern ureigenes Leben […] Die Gottheit von Christus bedeutet für den Gläubigen die Gewissheit des ewigen Lebens.” (SDL 407 = LJ 523 = DA 530)

Schon in ihrer älteren Fassung des Buches „Der große Kampf“(1888) sprach sich Ellen White deutlich zugunsten der vollen Gottheit des Sohnes aus. Hier erwähnt sie auch die negativen Konsequenzen eine Ablehnung seiner Gottheit: „Verwerfen die Menschen das Zeugnis der von Gott eingegebenen Heiligen Schrift über die Gottheit Christi, so wird man darüber vergebens mit ihnen sprechen, denn kein noch so zwingender Beweis wird sie überzeugen können […] Wer in diesem Irrtum befangen ist, kann weder von dem Charakter und dem Werk Christi, noch von dem großen Plan Gottes zur Erlösung der Menschen eine rechte Vorstellung haben.” (GC88 524)

Wenn Ellen White die Menschwerdung des Sohnes Gottes beschreibt, dann erwähnt sie auch seine Göttlichkeit, die bei diesem geheimnisvollen Vorgang aber nicht verloren ging: „Christus hatte seine Göttlichkeit nicht gegen seine menschliche Natur eingetauscht, sondern er hatte seine Göttlichkeit mit der menschlichen Natur bekleidet.“ (5BC 1128; ähnlich 1SM 243; RH, Sept. 4, 1900) Auch dieses Zitat bestätigt die uneingeschränkte Göttlichkeit des Sohnes.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es im 19. Jahrhundert eine nicht unerhebliche Zahl von Adventisten gab, die Jesus Christus nicht volle Göttlichkeit zubilligten. So schrieb zum Beispiel Uriah Smith in der ursprünglichen Fassung seines Offenbarungskommentars zu Offb 3,14: „[Jesus] ist nicht der Anfänger, sondern der Anfang der Schöpfung, das erste geschaffene Wesen, dessen Erschaffung weit vor allen anderen geschaffenen Wesen oder Dingen zu datieren ist …“ (Uriah Smith, Thoughts, critical and practical, on the Book of Revelation, 1865, Seite 59; in der Ausgabe 1881 findet sich bereits eine neue Formulierung). Wenn Ellen White so deutlich die Gottheit Christi betont, korrigiert sie indirekt falsche Vorstellungen ihrer Zeit. Sie macht das jedoch in ganz dezenter Art und Weise, ohne jemanden namentlich zu erwähnen oder öffentlich zu kritisieren. Sie stellt einfach nur die richtige Sichtweise dar. So human konnte Ellen White theologische Sachverhalte richtigstellen.

Der Heilige Geist ist Gott

Lassen wir noch einmal Ellen White 1898 in ihrem wegweisenden Buch über Jesus Christus zu Wort kommen: „Nur durch das mächtige Wirken der dritten Person der Gottheit war es möglich, der Sünde zu widerstehen und sie zu überwinden.” (SDL 521 = LJ 670 = DA 671) Diese Aussage findet sich schon in einem Brief, den Ellen White 1896 von Australien an die Brüder in Battle Creek geschrieben hatte. Diesen Brief haben wir heute nur in maschinengeschriebener Form, aber genau dieses Dokument enthält auch handschriftliche Anmerkungen von Ellen White. Das bestätigt, dass diese Aussage sicher so von ihr als Autorin formuliert worden war.

Ganz kurz noch weitere Aussagen: „Der Heilige Geist, der so wahr eine Person ist, wie Gott eine Person ist …“ (Evangelisation 544 = Ev 616 [1899]) „Der Heilige Geist ist eine Persönlichkeit, sonst könnte er nicht unserem Geist und durch unseren Geist bezeugen, dass wir Gottes Kinder sind. Er muss auch eine göttliche Person sein, sonst könnte er nicht die Geheimnisse ergründen, die in Gottes Gedanken verborgen sind.“ (Evangelisation 544 = Ev 617 [1906]) „Der Fürst der Mächte der Finsternis kann nur durch die Macht Gottes in der dritten Person der Gottheit, dem Heiligen Geist, in Schach gehalten werden.“ (Evangelisation 545 = Ev 617 [1897])

Ellen White zur Dreieinigkeit

Wir wollen uns hier die Geschichte eines Zitats ansehen, in dem Ellen White auf die Dreieinigkeit im Taufbefehl eingeht:

„Der Tröster, den Christus nach seiner Himmelfahrt zu senden versprach, ist der Geist in der Fülle der Gottheit, der allen, die Christus als ihren persönlichen Heiland annehmen und an ihn glauben, die Macht der göttlichen Gnade offenbart. In dem himmlischen Trio sind drei lebende Personen (engl. „There are three living persons of the heavenly trio“). Im Namen dieser drei großen Mächte, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, werden jene getauft, die Christus im lebendigen Glauben annehmen. Diese Mächte werden mit den gehorsamen Kindern Gottes auch in ihrem Bemühen helfen, ein neues Leben in Christus zu führen.” (Evangelistation 543 = Evangelism 615 = SpTB07 62, 63 [1905])

Diese auffällige Aussage findet sich heute im Buch Evangelism, das 1946 erschien. Der gleiche Wortlaut geht aber auf ein kleines Heft zurück, das als Special Testimonies, Series B, No. 7., 1906 gedruckt wurde (siehe Abbildung unten).

Special Testimonies, Series B, No. 7., 1906

Am Deckblatt ist unten der Vermerk „Published for the Author“ (Herausgegeben für den Autor) zu lesen. Wer Ellen Whites Arbeitsstil ein wenig kennt, weiß auch, dass sie viele Details in ihren Büchern bis hin zu den Illustrationen mit kritischem Blick begleitete. Hätte Ellen White dieser Aussage theologisch nicht vollinhaltlich zugestimmt, hätte sie sich gegen die Formulierung gewehrt und versucht, eine spätere Wiedeveröffentlichung zu verhindern.

Aber die Veröffentlichung als Special Testimonies ist noch nicht die älteste uns heute bekannte Fassung des Zitats. Davor ist es bereits im Schreibmaschinen-Manuskript Manuscript 21, 1906, geschrieben im November 1905 und als Transkription vom 9. Januar 1906 belegt. Glücklicherweise kennen wir in diesem Fall auch das Original: Ellen White hatte diese Sätze davor in ihrem persönlichen Tagebuch handschriftlich vermerkt (siehe Abbildung unten).

Handschrift von Ellen White: Maniskript 21, 1906

Ursprünglich hatte Ellen White im Englischen „persons“ (Personen) geschrieben, dies aber selbst auf „personalities“ (Persönlichkeiten) verändert. In den späteren Fassungen wurde dann die ursprüngliche Version „persons“ verwendet, weil Ellen White offensichtlich keinen Bedeutungsunterschied zwischen „Personen“ und „Persönlichkeiten“ machen wollte.

Die Geschichte dieses Zitats zeigt sehr deutlich, dass die positive Aussage Ellen Whites zur Trinität tatsächlich auf sie als Schreiberin zurückgeht und somit keine spätere Hinzufügung darstellt. Allen Freunden von Verschwörungstheorien sei also gesagt: Hier hat definitiv keine „Verfälschung“ von Ellen White stattgefunden und wir können uns beruhigt zurücklehnen, weil die historische Rückverfolgung des Zitats einwandfrei seine Ursprünglichkeit belegt.

Ellen White hatte schon davor im Jahr 1900 geschrieben: „Das Werk wird jeder Seele vorgelegt, die ihren Glauben an Jesus Christus durch die Taufe bekundet hat und das Gelöbnis der drei Personen (engl. „persons“) engegengenommen hat – des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Manuscript 57, 6BC 1074) Offensichtlich hat dieses ältere Zitat mit „Personen“ den Wortlaut in späteren ähnlichen Aussagen vorgegeben. Auch dieses Zitat von 1900 ist in der Handschrift von Ellen White erhalten (siehe Abbildung unten).

Handschrift von Ellen White: Maniskript 57, 1900

Zusammenfassung

Wir müssen ehrlicherweise zugeben, dass es in der Adventgemeinde eine Entwicklung im Verständnis der Dreieinigkeit gab. Offensichtlich wollte Ellen White trinitarische Missverständnisse bei einigen Pionieren des 19. Jahrhunderts behutsam richtigstellen.

Wir können abschließend festhalten:
1. Die Aussagen von Ellen White sprechen deutlich zugunsten der Dreieinigkeit.
2. Die Schriften von Ellen White wurden nicht im Nachhinein gefälscht, sondern spiegeln die ursprüngliche Intension der Autorin wider.
3. Ellen Whites Aussagen zur Dreieinigkeit passen zum biblischen Gesamtbild.

Literatur:

Eine ausführlichere Darstellung zur Thematik findet sich bei Tim Poirier, „Ellen White’s Trinitarian Statements: What did she actually write?“ 2006 Download

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