Ellen White zum Coronavirus und Seuchen

Bild oben: Ausschnitt aus „Der Triumph des Todes“ des niederländischen Malers Pieter Bruegel d. Ä., um 1562

Derzeit hält die Welt gespannt den Atem an. Wir alle fragen uns, wie es mit dem Coronavirus weitergehen wird. Kommt es bald zu einer Beruhigung? Wann werden wir einen wirksamen Impfstoff haben? Sollte es auch mich treffen, wird mein Immunsystem damit umgehen können? Müssen wir uns auf eine längere Zeit der Krise und der Einschränkungen einstellen?

Natürlich können wir gleich vorwegnehmen, dass Ellen White nie konkret über das Coronavirus geschrieben hat. Andererseits taucht in ihren Beschreibungen der Endzeit immer wieder der Gedanke auf, dass es Katastrophen geben wird. Fast nebenbei erwähnt sie auch „Seuchen“. Sehen wir uns also ein paar Aussagen über „Seuchen“ an und versuchen wir danach zu bewerten, was Ellen White darunter versteht und welche Relevanz ihre Aussagen für uns heute haben.

Dinge, die VOR dem Ende der Gnadenzeit passieren

Wenn Ellen White von den Vorzeichen der Wiederkunft spricht, dann sagt sie unter anderem auch das Folgende:

„Gott hat die Mächte der Finsternis nicht davon abgehalten, ihr tödliches Werk auszuführen, nämlich die Luft, eine der Quellen des Lebens und der Nahrung, mit lebensgefährlichen Stoffen zu verderben. Nicht nur die Vegetation ist davon betroffen, sondern der Mensch leidet an der Seuche (pestilence) … Das sind gleichsam nur Tropfen der Zornesschalen Gottes, die auf die Erde gesprengt werden, und sind nur schwache Vorstellungen dessen, was in naher Zukunft geschehen wird.“ (CKB 21 = 3SM 391)

„Hungersnöte werden zunehmen. Seuchen (pestilence) werden Tausende hinwegfegen. Gefahren sind rings um uns — sowohl Mächte von draußen als auch satanisches Wirken drinnen —, aber die Einhalt gebietende Kraft Gottes wird jetzt wirksam.“ (CKB 21 = 1MR 382)

„In der letzten Etappe der Geschichte dieser Erde wird Krieg toben. Es wird Pestilenz (pestilence), Seuchen (plague) und Hungersnöte geben. Die Wasser der Tiefe werden ihre Grenzen überfluten. Besitz und Leben wird durch Feuer und Überschwemmungen zerstört werden. Wir sollten uns für die Wohnungen bereitmachen, die Christus für alle, die ihn lieben, vorzubereiten gegangen ist.“ (CKB 19 = Maranatha 174)

„In Verbindung mit der politischen Verwirrung und den unsicheren Verhältnissen auf Erden wird eine kurze Zeit des Friedens erwähnt. Dieser Zeit scheinbaren Friedens folgt die letzte große Auseinandersetzung. Noch einmal wurden mir die Bewohner der Erde gezeigt, und wieder befand sich alles in äußerster Verwirrung. Streit, Krieg und Blutvergießen mit Hungersnöten und Seuchen (pestilence) wüteten überall. … Dann begannen die Herzen der Menschen zu verschmachten, vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden.“ (VA 8 = 1T 268)

„Während Satan sich als großer Arzt ausgibt, der sämtliche Krankheiten heilen kann, bringt er Gebrechen und Unheil über die Menschen, bis große Städte in Trümmerfelder und Einöden verwandelt sind. Immer ist er am Werk. Bei Unfällen und Katastrophen zu Wasser und zu Land, bei großen Feuersbrünsten, bei heftigen Wirbel und Hagelstürmen, bei Orkanen, Überschwemmungen und Sturmfluten, Flutwellen und Erdbeben – überall übt Satan in tausenderlei Gestalt seine Macht aus. Er vernichtet die reifende Ernte und lässt Hungersnot und Elend folgen. Er verseucht die Luft, und Tausende kommen durch Seuchen (pestilence) um. Solche Heimsuchungen werden immer häufiger und unheilvoller. Das Verderben befällt Mensch und Tier. Dann redet der große Betrüger den Menschen ein, dass diejenigen, die Gott dienen, solches Unheil verursachen. Die Gruppe, die den Aufstand im Himmel angezettelt hat, legt die jetzigen Probleme denen zur Last, deren Gehorsam gegenüber den Geboten den Übertretern ein beständiger Vorwurf ist. Man wird erklären, dass Menschen Gott durch Missachtung der Sonntagsfeier beleidigen und dass diese Sünde die Katastrophen herbeigeführt hätte. Die Probleme würden nicht eher aufhören, bis die Sonntagsfeier konsequent eingeführt sei. Diejenigen, die das vierte Gebot hochhalten und dadurch der Sonntagsfeier die Achtung verweigern, werden als Unruhestifter bezeichnet, welche göttliches Wohlwollen und irdisches Wohlergehen verhindern.“ (VSL-T 538-539 = GK 590-591 = GC 589-590)

„Unmittelbar bevor wir [in die Zeit der Trübsal] kamen, erhielten wir alle das Siegel des lebendigen Gottes. Dann sah ich die vier Engel, wie sie die vier Winde losließen. Und ich sah Hungersnot, Seuchen (pestilence) und Kriege, Volk erhob sich gegen Volk, und die ganze Welt war in Aufruhr.“ (CKB 162 = 7BC 968)

Dinge, die NACH dem Ende der Gnadenzeit passieren

Nach dem Ende der Gnadenzeit, wenn die sieben letzten Plagen aus Offb 16 ausgegossen werden, werden folgende Dinge geschehen:

„Der Herr, der Gott Israels, wird das Gericht über die Götter dieser Welt vollstrecken so wie damals über die Götter Ägyptens. Mit Feuer und Überschwemmung, Seuchen (plague) und Erdbeben wird das ganze Land verwüstet. Dann werden die Geretteten seinen Namen erhöhen und ihn verherrlichen auf der Erde. Sollten nicht jene, die als die Übrigen in diesem letzten Teil der Weltgeschichte leben, Gottes Strafen verstehen?“ (CKB 170 = 10MR 240-241)

„Der Herr hat mir wiederholt gezeigt, dass es nicht den Aussagen der Bibel entspricht, Vorkehrungen für die leiblichen Bedürfnisse während der Zeit der Trübsal zu treffen. Wenn die Gläubigen Nahrungsmittel horteten, dann würden sie ihnen in der Zeit der Trübsal, wenn Krieg, Hungersnot und Seuchen (pestilence) über das Land kommen, gewaltsam geraubt werden, und Fremde würden ihre Ernte einbringen.“ (CKB 186 = FS 56-57 = EW 56)

„Gottes Volk wird nicht ohne Leiden sein. Während es aber verfolgt und entmutigt wird und Entbehrung und Hunger erleidet, wird es doch nicht umkommen. Dieser Gott, der für Elia sorgte, wird an keinem seiner aufopferungswilligen Kinder vorbeigehen. Der die Haare auf ihren Häuptern zählt, wird für sie sorgen, und in Zeiten der Hungersnot werden sie gesättigt werden. Während die Gottlosen an Hunger und Seuchen (pestilence) zugrunde gehen, beschützen Engel die Gerechten und sorgen für ihre Bedürfnisse. Für den Gerechten gilt die Verheißung: ‚Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiss.‘ (Jes 33,16)“ (VSL-T 574 = GK 629 = GC 629)

Zusammenfassung und Interpretation der Aussagen von Ellen White

Versuchen wir, einige der Gedanken von Ellen White zusammenzufassen und auch mit einer Interpretation zu versehen:

  1. Die Bibel und Ellen White kündigen Seuchen an
    Wenn Ellen White von Seuchen spricht, dann steht sie auf biblischem Grund. Auch Jesus erwähnte sie in seiner Endzeitrede: „… und es werden große Erdbeben sein und an verschiedenen Orten Hungersnöte und Seuchen; auch Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel wird es geben.“ (Lk 21,11 ELB) In der englischen KJV-Bibel steht für „Seuche“ der Begriff „pestilence“, ein altes englisches Wort, das eine ansteckende, gefährliche Krankheit meint, die epidemieartig auftritt. Das könnte Ellen White bei ihrer Wortwahl durchaus beeinflusst haben, wie es auch die häufige Kombination von „Hungersnot“ und „Seuchen“ bei Ellen White zusätzlich wahrscheinlich macht.
  2. Seuchen sind nicht das wichtigste Zeichen
    Die Seuchen stehen bei Ellen White nicht im Vordergrund. Wenn sie Seuchen erwähnt, dann zumeist in einer Auflistung von Unglücksfällen. Die Seuchen stehen in den Listen fast immer weiter hinten, also an einer wenig prominenten Position. Seuchen gehören somit nicht zu den wichtigsten Zeichen in der Zeit vor der Wiederkunft.
  3. Satan ist schuld
    Satan ist für alle Katastrophen und auch Seuchen verantwortlich. Man darf Gott nicht Dinge in die Schuhe schieben, die er definitiv nicht hervorgerufen hat.
  4. Corona als Hinweis auf schlimmere Dinge
    Seuchen werden nach Ellen White vor und nach dem Ende der Gnadenzeit eine Rolle spielen. Ist das Coronavirus ein definitiver Hinweis auf das unmittelbare Ende der Welt? Eher nicht, sofern nicht noch zusätzliche in der Bibel genannte Zeichen der Zeit hinzukommen. Viel wahrscheinlicher scheint es, dass uns die derzeitige Krise nur einen Vorgeschmack auf das vermittelt, was in einem noch gesteigerten Maß in der allerletzten Endzeit kommen könnte.
  5. Bewahrung für die Gläubigen
    Ellen White betont – zumindest für die Zeit nach dem Ende der Gnadenzeit –, dass Gott uns Gläubige bewahren wird. Das heißt aber im Umkehrschluss leider auch, dass jetzt aufrichtige Adventisten an diesem Virus sterben können. Trotzdem deutet sie immer wieder an, dass Gott vor dem Ende der Gnadenzeit immer wieder eingreift, um noch Schlimmeres zu verhindern. Auch in Lukas 21,9 ermutigt uns Jesus: „so erschreckt nicht!“
  6. Keine Vorräte anhäufen
    Ellen White empfiehlt uns, keine unnötigen Vorräte anzuhäufen. Zu diesem Punkt lohnt es sich, noch einige Überlegungen anzuschließen. Wenn Ellen White solche Ratschläge gibt, sind wir gefordert, auch das dahinterstehende Prinzip zu verstehen. Tatsächlich könnte dieses Prinzip unterschiedliche verstanden werden.
    1. Ellen White warnt uns – für alle Zeiten gültig –, irgendwelche Vorräte anzulegen. Dem könnten wir entgegenhalten, dass sie im Zusammenhang offensichtlich von der Zeit nach dem Ende der Gnadenzeit spricht. Das spricht gegen ein generelles Verbot.
    2. Ellen White möchte uns ermutigen, unser Vertrauen auf Jesus Christus zu setzen, und nicht in irdische Güter oder Vorräte. Genau diesen Gedanken möchte sie uns mitgeben.
  7. Leben auf dem Land
    Noch eine zusätzliche Überlegung: Ellen White ermutigt uns, rechtzeitig die Städte zu verlassen und auf das Land zu ziehen. Sie begründet das damit, dass unsere Kinder dort ein besseres Umfeld vorfinden und wir so auch in der Lage sein werden, uns mit dem Lebensnotwendigen selbst zu versorgen. (CKB 72-73) Das Landleben ist für Ellen White sinnvoller als Hamsterkäufe.
  8. Vorbereitung auf die Wiederkunft
    Für Ellen White ist klar: Wenn wir die Zeichen der Zeit beobachten, sollte uns das anspornen, uns noch intensiver auf die Wiederkunft vorzubereiten.

4 Kommentare

  1. Herbert Bodenmann

    Danke für den Newsletter!
    Ich bitte um Transparenz bezüglich der Autorenschaft: In jeder Zeitung steht der Name des Autors oder der Autorin direkt beim Artikel. Damit wird klar, wer die Zitate ausgewählt hat und einen allfälligen Kommentar, Text oder eine Interpretation dazu verfasst hat.
    Danke!

    • Johannes Kovar

      Hallo Herbert, wie ganz oben (gleich unter der Überschrift) vermerkt ist, stammen die Zusammenstellung der Zitate und auch die Interpretation von Johannes Kovar.

  2. Brigitte Weichselbaumer

    Danke für die Ausführungen über Seuchen in der letzten Zeit.

  3. Danke, ich wünsche euch allen Gottes Segen

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